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Neues zu lernen gehört zum Tagesgeschäft

Der ehrenamtliche Stadtrat Peter Mensinger ist in der Kommunalpolitik ein Spätberufener / Wirtschaftsthemen treu geblieben
Ein Bericht der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" vom 19. Dezember 2001


Peter Mensinger gehört zu einer eher seltenen Spezies im Rathaus: Der Mann ist einer der wenigen "echten" Frankfurter in der Stadtregierung. Seit dem dreißigjährigen Krieg, als ein Soldat aus Simmern im Westerwald am Main blieb, ist die Familie des ehrenamtlichen Stadtrats in Frankfurt nachweisbar. "Hosenmacher und Strumpfstricker" seien viele gewesen, erzählt Mensinger nicht ohne Stolz auf die lange Familiengeschichte. Er selbst ist dabei etwas aus der Art geschlagen, wenngleich er als Malermeister immerhin dem Handwerk treu geblieben ist.

Dabei hat die Familie auch in diesem Beruf längst eine Tradition begründet: Der 60 Jahre alte Mensinger ist gerade dabei, die Firma an zwei seiner Söhne weiterzugeben, die das 1902 von seinem Großvater gegründete Geschäft dann in vierter Generation führen werden. Nicht zuletzt dadurch werde ihm der Wechsel vom Baugerüst auf die politische Bühne erleichtert, sagt Mensinger und setzt mit einem Lächeln hinzu, auch die Söhne seien "einigermaßen zufrieden, daß der Vater in die Politik geht - dann guckt er nämlich nicht dauernd hin und nörgelt". Die jungen Leute müßten schließlich ihren eigenen Weg gehen, und: "Was anders gemacht wird, ist auch in Ordnung."

Die Tätigkeit als ehrenamtlicher Stadtrat nennt der gebürtige Sachsenhäuser, der heute in Bergen-Enkheim lebt, "eine echte Halbtagsbeschäftigung". Vor 20 Jahren habe er denn auch mit Rücksicht auf seinen Beruf das Angebot, in die Kommunalpolitik zu gehen, abgelehnt. Eigentlich, gesteht Mensinger, habe er ein Engagement im Rathaus schon abgeschrieben gehabt, als der frühere Oberbürgermeister Walter Wallmann vor den Kommunalwahlen 1997 bei ihm anklopfte.

Damals zog er dann zunächst als Stadtverordneter für die CDU in den Römer ein und wurde Mitglied im Wirtschafts- und im Wohnungsbauausschuß. Auf die Magistratsbank wechselte er im Februar 1999: Michael Boddenberg war zum Landtagsabgeordneten gewählt worden, und die Union suchte wieder einen Vertreter des Handwerks als Nachfolger für den Fleischermeister.

Den Wirtschaftsthemen ist Mensinger auch nach den Kommunalwahlen dieses Jahres treu geblieben; er teilt sie sich mit seinem Kollegen Ulrich Caspar. Übernommen hat er seither noch das Kulturressort von der früheren Stadträtin Helga Budde, die von der CDU nicht mehr nominiert worden war. Auf diesem Feld ist Mensinger, der ein Faible für Theater und Malerei hat, nach eigenen Worten ein "interessierter, aber nicht ganz unkundiger Laie". Stets Neues zu lernen gehöre für einen Handwerker ohnehin zum Tagesgeschäft, sagt Mensinger, der auch Obermeister der Maler- und Lackiererinnung in Frankfurt ist.

Zu den Aufgaben des Stadtrats, zu denen auch noch die Zuständigkeit für Brandschutz und Feuerwehr zählt, kommt für Mensinger, wie für alle seine Magistratskollegen, die Parteiarbeit hinzu. Als "Spätberufener" habe er erst lernen müssen, welche Rolle Kontakte auch hier spielen. Dabei bricht er gleich eine Lanze für die Politiker: "Die Leistungen der Menschen in der Politik sind nicht besser und nicht schlechter als diejenigen der Wirtschaftsleute. Beide Seiten können trotz völlig unterschiedlicher Strukturen voneinander lernen." Einen nicht unerheblichen Unterschied hat er allerdings auch ausgemacht: "In einem Betrieb können Sie sich ihre Mitarbeiter aussuchen, in der Politik muß man mit den Partnern zurechtkommen." (Ulrich Adolphs)


Quelle: "Frankfurter Allgemeine Zeitung" vom 19. Dezember 2001


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