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Zu viele Theoretiker in den Parlamenten

Interview von Martin Müller mit dem Stadtrat Peter Mensinger
Ein Bericht aus der "Frankfurter Neuen Presse" vom 27. März 1998



Peter Mensinger im Interview   Mit 56 Jahren hat der Malermeister Peter Mensinger den Einstieg in die Politik gewagt. Seit März 1997 gehört der Inhaber eines mittelständischen Betriebs der CDU-Römerfraktion an. Sein Resümee nach einem Jahr in der Kommunalpolitik: Vieles geht langsam, aber es macht Spaß.

Mit 56 Jahren noch mal Lehrling geworden
Seit 25 Jahren ist Peter Mensinger Mitglied der CDU. Doch erst im vergangenen Jahr startete der 57jährige seine politische Karriere als Stadtverordneter im Römer. Der frührer Oberbürgermeister Walter Wallmann hatte den stellvertretenden Obermeister der Maler-Innung Rhein-Main dazu ermuntert. Mensinger war zuvor acht Jahre lang Obermeister der Frankfurter Maler-Innung, ebensolang saß er im Pfarrgemeinderat der katholischen Gemeinde St. Bonifatius.

Der gebürtige Sachsenhäuser ist Geschäftsführer der Mensinger GmbH Malerwerkstätte, die sein Großvater Luis Ferdinand 1902 gründete. Der Betrieb mit Sitz in Preungesheim hat 50 Mitarbeiter. Mensinger hat aus erster Ehe drei Söhne, zwei wollen den Familienbetrieb übernehmen.


Herr Mensinger, Hanwerker sind es gewohnt, täglich das Resultat ihres Schaffens betrachten zu können. Verlieren Sie bei der mühsamen Arbeit im Römer nicht manchmal die Geduld?

Es gibt schon Dinge, da kribbelt's mir in den Fingern. Die lange Zeit des politischen Stillstands war auch ein bißchen frustrierend. Ich habe mich aber in meinem ersten Jahr als Stadtverordneter sehr zurückgehalten. Ich hatte ja keine Erfahrung, wie das System funktioniert. Mit 56 Jahren bin ich noch mal Lehrling geworden.

Welchen Eindruck haben Sie von der politischen Arbeit?

Das ist vieles kompliziert und formalistisch. Außerdem haben wir zu viele Theoretiker in den Parlamenten und zu wenige mit praktischer Berufserfahrung. Im Stadtparlament ist dies aber weniger gravierend.

Wie sind sie in der Fraktion aufgenommen worden?

Gut. Ich habe erst mal nur zugehört und mich bemüht, den Kontakt zu den Kollegen zu bekommen. Ich wollte ja nicht, daß sich mir Abwehrstacheln zeigen, weil ich aus der Wirtschaft in die Politik gekommen bin. Die Fraktion hat mich hervorragend aufgenommen. Ich habe den Eindruck, daß man gerne auf die Erfahrung des mittelständischen Unternehmers zurückgreift.

Beim CDU-Kreisparteitag haben Sie allerdings bei den Vorstandswahlen als Beisitzer kandidiert und eine Niederlage einstecken müssen.

Das war zu erwarten. Ich bin ja bis jetzt nur relativ wenigen Leuten in der CDU bekannt.

Wie bewerten Sie die monatelangen Verhandlungen, die in der kommunalpolitischen Plattform mit der SPD mündeten?

Da ist mit hoher politischer Sensibilität gearbeitet worden. Für einen, der sich an die Abläufe erst gewöhnen muß, war es aber auch anstrengend. Als die Kooperation festgezurrt war, war eine deutliche Erleichterung zu spüren.

Aber hat es Ihnen nicht zu lange gedauert?

Natürlich war ich ungeduldig. So manches Mal hätte ich aufschreien mögen und sagen: Hoppla, so nicht! Nur dazu war meine Erfahrung noch zu gering. Ich denke aber, daß ich jetzt soviel Erfahrung gesammelt habe, um mich artikulieren zu können.

Welche Ideen wollen Sie einbringen? In welchen Aussschüssen arbeiten Sie mit?

Im Moment bereiten wir gemeinsam mit der Politik, der Wirtschaft und besonders dem Handwerk eine Maßnahme unter anderem für langzeitarbeitslose Jugendliche vor. Die Betriebe sollen dabei unmittelbar integriert werden. Für die CDU sitze ich in den Aussschüssen Wohnen und Wirtschaft.

Stimmt es, daß viele Schulabgänger nicht die Anforderungen für eine Handwerkslehre erfüllen?

Leider ja. DIe Leistungen sind oft erschreckend schwach, vor allem in Rechnen und Schreiben. Deshalb bieten wir in Zusammenarbeit mit der hessischen Wirtschaft Kurse für Lernschwache an. Bei der Ausbildung dürfen die Betriebe in dieser Hinsicht nicht allein gelassen werden. Wir können ja nicht Händchen halten. Für Jugendliche, die soziale Probleme haben, müssen flankierende Maßnahmen angeboten werden, zum Beispiel Sportaktivitäten.

Gibt es auch Probleme des Handwerks, die Sie im Stadtparlament einbringen wollen?

Ein nicht so bedeutendes, aber sehr emotionales Problem ist das Parken für Handwerker. Die Parkberechtigungen müßten geändert werden. Das jetzige Verfahren ist zu umständlich. Wir brauchen einen Schein fürs ganze Jahr. Außerdem gibt es Klagen über einige privatisierte städtische Betriebe wie Stadtwerke und FES. Das ist ein schwieriges Feld, es ist nicht ganz klar, welche Arbeiten diese Betriebe ausführen dürfen und welche nicht. Da muß Klarheit geschaffen werden.

Welche politischen Ambitionen haben Sie?

Ich will mich in die Arbeit vertiefen. Das geht, weil mein Sohn langsam die Geschäfte des Betriebes übernimmt und ich mich etwas zurückziehen kann. Die Politik liegt mir und macht mir Spaß. Auch in der CDU-Mittelstandsvereinigung, in der ich seit 20 Jahren Mitglied bin, will ich mich öfters sehen lassen. Da sind auch zu wenig Handwerker aktiv.

Wie empfinden Sie als geborener Sachsenhäuser die Veränderung der Stadt

Provinz sind wir nicht, aber auch kein Mainhattan. Vielleicht kann man sagen: Solide, geschäftig, mehr sein als scheinen. Jedenfalls kann die Stadt mehr Hochhäuser vertragen. Und der Messeturm hätte 25 Stockwerke höher werden können.


Quelle: "Frankfurter Neue Presse" vom 27. März 1998


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